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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Psalm 22.

Geschrei eines schwer Bedrängten um Hilfe und Gelübde des Dankes für die Errettung.

1 Dem Musikmeister, nach "Hirschkuh der Morgenröte." Ein Psalm Davids.
2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen -
fern von Hilfe für mich, von den Worten, die ich stöhne?
3 "Mein Gott!" rufe ich tagsüber, doch du antwortest nicht,
und bei Nacht, ohne daß ich Beruhigung fände.
4 Und du bist doch der Heilige,
der über den Lobliedern Israels thront.
5 Auf dich vertrauten unsere Väter,
vertrauten, und du errettetest sie.
6 Zu dir schrieen sie und wurden errettet,
auf dich vertrauten sie und wurden nicht zu Schanden.
7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Hohn der Leute und vom Volke verachtet!
8 Alle, die mich sehen, spotten über mich,
verziehen die Lippe, schütteln den Kopf.
9 "Wälze deine Sache auf Jahwe! Er mag ihn erretten,
mag ihn herausreißen; er hat ja Gefallen an ihm!"

10 Ja, du bist's, der mich hervorzog aus dem Mutterschoß,
an meiner Mutter Brüsten mich sorglos liegen ließ!
11 Auf dich war ich geworfen von Mutterleibe an,
vom Schoße meiner Mutter an bist du mein Gott.
12 Sei nicht fern von mir, denn Bedrängnis ist nahe,
denn es giebt keinen Helfer.
13 Mich umgeben starke Farren,
die Stiere Basans umzingeln mich.
14 Sie sperren ihren Rachen wider mich auf,
wie ein reißender und brüllender Löwe.
15 Wie Wasser bin ich hingegossen,
und alle meine Gebeine sind auseinandergegangen.
Mein Herz ist wie zu Wachs geworden,
zerflossen in meinem Innern.
16 Mein Gaumen ist ausgetrocknet gleich einer Scherbe,
meine Zunge angeklebt an meinen Schlund,
und in den Todesstaub wirst du mich legen.
17 Denn Hunde umgeben mich,
eine Rotte von Bösewichtern umkreist mich,
dem Löwen gleich meine Hände und Füße.
18 Ich kann alle meine Gebeine zählen;
sie blicken her, schauen ihre Lust an mir.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los über mein Gewand.
20 Du aber, Jahwe, sei nicht fern!
Meine Stärke, eile mir zu Hilfe!
21 Errette mich vom Schwert,
aus Hundesgewalt meine Einsame!
22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen
und aus der Wildochsen Hörnern - erhörst du mich.

23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Gemeinde will ich dich preisen.
24 Die ihr Jahwe fürchtet, preiset ihn!
Aller Same Jakobs, ehret ihn,
und scheut euch vor ihm, aller Same Israels!
25 Denn er hat das Elend des Elenden nicht verschmäht und nicht verachtet
und sein Antlitz nicht vor ihm verborgen,
und als er zu ihm schrie, hat er gehört.
26 Von dir geht mein Lobpreis aus in großer Versammlung;
meine Gelübde will ich bezahlen angesichts derer, die ihn fürchten.
27 Elende werden essen und satt werden;
preisen werden Jahwe, die ihn suchen:
Euer Herz lebe auf für immer!
28 Alle Enden der Erde werden's inne werden und sich zu Jahwe bekehren,
und vor dir sich niederwerfen alle Geschlechter der Heiden.
29 Denn Jahwe gehört das Königtum,
und er herrscht über die Heiden.
30 Nur vor ihm werden sich niederwerfen alle Fetten der Erde,
vor ihm sich beugen alle, die in den Staub hinabfahren.
Und wer seine Seele nicht am Leben erhielt,
31 dessen Same wird ihm dienen.
Man wird erzählen vom Herrn dem kommenden Geschlecht
32 und verkündigen wird man von seiner Gerechtigkeit dem Volke, das geboren werden soll,
daß er es ausgeführt!